IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: Leibniz-Institut für Ost-und Südosteuropaforschung (IOS); vorerst online via Zoom, Link wird mit den Einladungen verschickt!
Programm

Forschungslabor: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr (Lehrstuhl) oder 16–18 Uhr (Graduiertenschule und Leibniz-WissenschaftsCampus)
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm

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Leibniz

Die Balkankriege 1912/13. Erfahrung, Wahrnehmung, Erinnerung

Projektverantwortliche: Katrin Boeckh, Sabine Rutar

Auf den ersten Balkankrieg, der von den Mitgliedern des Balkanbundes (Serbien, Montenegro, Bulgarien und Griechenland) gegen das Osmanische Reich geführt wurde, folgte schnell der zweite, als sich die Mitglieder des Bundes gegeneinander wandten und einschließlich Rumäniens und des Osmanischen Reichs um die gerade eroberten Territorien kämpften. Die Balkankriege gehörten zu den ersten europäischen Kriegen des 20. Jahrhunderts – Staatsexpansionen und -konsolidierungen standen im Mittelpunkt, was nicht zuletzt die Frage nach Loyalitäten innerhalb der vom Krieg betroffenen Gesellschaften an der Schwelle vom imperialen zum post-imperialen Zeitalter aufwirft. Die Thematik lotet die Grenzen staatlichen Handelns der Balkanländer in der Kriegssituation und unter wachsamer Beobachtung der internationalen Diplomatie aus. Ziel des Projektes ist es, die Balkankriege stärker in den Kontext der Forschungsdiskussionen um die „anderen“ Kriege des 20. Jahrhunderts zu integrieren. Territorialkonflikte und die damit zusammenhängenden Fragen von Staatlichkeit, Kriegsführungspraktiken, Kriegserfahrungen der mobilisierten und der zivilen Bevölkerung sowie Kriegserinnerung im Rahmen gesellschaftlich wirkmächtiger nationaler Meisternarrative werden hinterfragt und in einen übernationalen Zusammenhang gestellt. Insbesondere die Ansätze der Neuen Militärgeschichte können dazu beitragen, die beiden Balkankriege verstärkt als integralen Teil der Geschichte der europäischen Kriege im 20. Jahrhundert zu erforschen. Die Pionierarbeit dieses Projekts besteht darin, die Balkankriege vor allem in sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive zu untersuchen – was ein neues Licht nicht zuletzt auch auf die „klassischen“ Felder der Politik-, Diplomatie- und Militärgeschichte wirft.