IOS-NEWSLETTER 
Forschung, Veranstaltungen, Publikationen

Seminarreihe des Arbeitsbereichs Ökonomie am IOS

Zeit: Dienstag, 13.30–15.00 Uhr
Ort: Leibniz-Institut für Ost-und Südosteuropaforschung (IOS); vorerst online via Zoom, Link wird mit den Einladungen verschickt!
Programm

Forschungslabor: „Geschichte und Sozialanthropologie Südost‐ und Osteuropas“

Zeit: Donnerstag, 14–16 Uhr (Lehrstuhl) oder 16–18 Uhr (Graduiertenschule und Leibniz-WissenschaftsCampus)
Ort: WiOS, Landshuter Str. 4 (Raum 017)
Programm

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Leibniz

Dissertationsprojekt: Ungarn im RGW in den 1960er und 1970er Jahren

Bearbeiter: Christian Mady

Im Rahmen eines Projektes des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte der Ruhr-Universität Bochum, welches die Wirtschaftsbeziehungen im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) nach den Kriterien der Imperiumsforschung analysiert, beschäftigt sich diese Dissertation mit der Rolle Ungarns im RGW. Das traditionelle Agrarland Ungarn, in den 1950er Jahren nach sowjetischem Vorbild industrialisiert, stieß wie andere Staaten Osteuropas Mitte der 1960er Jahre an die Grenzen des bisherigen extensiven Wachstumsmodells. Ungarische Wirtschaftsexperten entwarfen daraufhin den sogenannten „Neuen Wirtschaftsmechanismus“, der 1968 eingeführt wurde.

Der jährliche Wirtschaftsplan verlor in diesem Modell seine Funktion als wichtigstes Instrument der Wirtschaftslenkung, die über ein ökonomisches Anreizsystem erfolgen sollte. Die Betriebe blieben zwar in staatlicher Hand, sollten aber gewinnorientiert handeln und bekamen eine größere Selbständigkeit, vor allem im Außenhandel. Die Planer des „Neuen Wirtschaftsmechanismus“ sahen in ihrem Modell auch eine Möglichkeit, die RGW-Integration durch die Schaffung eines kontrollierten „sozialistischen Marktes“ voranzutreiben, um die den Planwirtschaften inhärente Tendenz zu wirtschaftlicher Autarkie zu überwinden, die bis dahin das größte Integrationsproblem darstellte.

Ungarns Versuch, sein Wirtschaftsmodell als Muster für die künftige Gestaltung der RGW-Integration durchzusetzen, scheiterte an den politischen Realitäten im „Ostblock“. Das sowjetische Integrationsmodell der verstärkten Plankoordinierung setzte sich durch, Ungarns Reformen wurden teilweise rückgängig gemacht, das unvollendete Modell des „sozialistischen Marktes“ in Ungarn erwies sich als sehr problematisch.

Diese politischen Vorgänge sind zwar seinerzeit in den westlichen Ländern aufmerksam verfolgt worden, doch gab es für die Forschung keinen Zugang zu den entsprechenden Archiven, um die eigenen Thesen zu untermauern. Ziel der Arbeit ist daher, im Lichte des nunmehr zugänglichen ungarischen Archivmaterials ein genaueres Bild der Vorgänge, die zum Entstehen des „Neuen Wirtschaftsmechanismus“, geführt haben, seines politischen Einflusses auf, sowie seiner Beeinflussung durch den RGW, zu erhalten. Hierdurch wird sich auch ein genaueres Bild der Machtstrukturen und Funktionsweise des RGW selbst ergeben. Die Dissertation untersucht dafür exemplarisch die Praxis der „sozialistischen Arbeitsteilung“ in der Automobilindustrie.